Edmund Kalb im Leopold-Museum

24.05.2019: Zu Lebzeiten von Edmund Kalb (1900 – 1952) hätte auf seinen künstlerischen Nachruhm wohl kaum eine Dornbirnerin oder ein Dornbirner gewettet. Dass dem Dornbirner Künstler nun in einem der berühmtesten Museen Österreichs, dem Leopold Museum Wien, vom 24. Mai bis 18. August 2019 eine Einzelausstellung gewidmet ist, zeigt die Bedeutung und Position, die er nun in der Kunstgeschichte einnimmt.

Werke von Edmund Kalb sind auch im Rathaus ausgestellt.

Heute gilt er als eine der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und wird – aus Vorarlberger Blickwinkel – immer in einem Atemzug mit Rudolf Wacker und Albert Bechtold genannt. Er selbst hatte es immer geahnt: seine Zeichnungen werden ihn überleben, davon war er überzeugt. Die Ausstellung im Leopolsmuseum wurde gestern eröffnet.

Auch wenn er als an der Münchener Akademie ausgebildeter Künstler sein Leben lang keine einziges Werk verkaufen konnte. Und davon gab es ja genug. Bis Mitte der 1970er Jahre ist man allerdings davon ausgegangen, dass der Nachlass mit ca. 150 Blättern in der Sammlung des Landesmuseums und einzelnen Blättern in Privatbesitz relativ überschaubar ist. Erst durch die Forschung des langjährigen Kurators am Kunsthaus Bregenz, Dr. Rudolf Sagmeister, und seiner Frau Kathleen konnten über 1100 noch existierende Arbeiten von Edmund Kalb ausgeforscht werden. Die Ergebnisse dieser Recherchen zeigten, dass der Künstler sich geradezu obsessiv dem Porträt – und hier mit rund 600 Zeichnungen vor allem dem Selbstporträt - widmete, das ihm zur Erforschung und dem Ausloten von Varianten, quasi als Grenzbestimmung künstlerisch-zeichnerischer Möglichkeiten diente. Die Stadt Dornbirn hat die Erstellung dieses umfassenden Werkverzeichnisses 1990 maßgeblich unterstützt und vier Jahre später erschien das vom Ehepaar Sagmeister erstellte und von der Stadt Dornbirn, dem Land Vorarlberg und dem Kunsthaus Bregenz herausgegebene, 500 Seiten umfassende Katalogbuch zur damaligen Ausstellung.

Dieses Buch war ein Meilenstein, der einen völlig anderen und neuen Blickwinkel auf das Werk und die Person Edmund Kalb eröffnete. In seinem weitgehend bäuerlich und kleinbürgerlich geprägten Lebensumfeld galt er als Sonderling, der nicht nur in seinem Kunstschaffen ein Einzelgänger war, sondern auch noch in seiner intensiven Beschäftigung mit Mathematik, Mechanik, Wahrnehmungspsychologie, Atomphysik, Weltraumtechnik, Strahlenkunde und Pflanzenzucht ein gesellschaftlicher Außenseiter. Der Umgang mit ihm, das Unverständnis, das ihm entgegenschlug, muss ihn in seiner künstlerischen Sensibilität tief getroffen haben. Dennoch ging er seinen Weg konsequent und unbeirrt weiter. Auch in seiner Auflehnung gegen Autoritäten (NS-Regime und Nachkriegszeit), wo er selbst Verhaftung und Gefängnis in Kauf nahm. Wer hätte sich damals denken können, dass Kopien seiner Zeichnungen, die im Besitz der Stadt Dornbirn sind, dereinst das Stadtratszimmer im Dornbirner Rathaus schmücken werden.

Er war eine Persönlichkeit mit schroffen Ecken und Kanten, die es sich selbst, aber auch ihren Zeitgenossen nicht immer leichtmachte. Hier eröffnen sich vielleicht auch gewisse Parallelen zum Leben eines weiteren herausragenden Vorarlbergers, dem Dichter Franz Michael Felder. Wir wissen ja, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt, auch wenn in Hinblick auf Edmund Kalb einiges dagegen unternommen wurde. Umso erfreulicher ist es nun, dass Edmund Kalb und sein einzigartiges Werk mit dieser von Kathleen und Rudolf Sagmeister kuratierten Schau im Leopold Museum Wien in einen Kontext mit den russischen Avantgardisten, aber auch Egon Schiele und Richard Gerstl gestellt wird. Und somit seine Kunst jene internationale Strahlkraft erlangt, die sie schon längst verdient hätte. Edmund Kalb bleibt ein (Dornbirner) Phänomen. Und er wird die (Kunst)-Welt noch lange beschäftigen.

Edmund Kalb Ausstellung im Leopoldmuseum Wien
24. Mai bis 18. August 2019
Täglich: 10:00 bis 18:00 Uhr
Donnerstag bis 21:00 Uhr
Dienstag geschlossen

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.leopoldmuseum.org/de