Neues Licht für die Heimarbeit

05.04.2018: Nadel, Faden, ob zu Hause für die eigenen Reihen oder für Betriebe – Heimarbeit war in Vorarlberg von großer Bedeutung. Die Ausstellung über das industrielle Arbeitsmodell „Heimarbeit“ macht die „unsichtbare“ Arbeit seiner Akteurinnen und Akteure im Rheintal sichtbar. In engem Austausch mit dem Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz entstand im Stadtmuseum Dornbirn eine Mitmachausstellung, die von den Erinnerungen, Fotos und Objekten ehemaliger Heimarbeiterinnen lebt. Das Gesamtsystem Heimarbeit wird als Teil der modernen industriellen Produktion nach 1945 aufgefasst. Damit erscheint die europäische Industrieregion Rheintal samt ihren überregionalen Verflechtungen in einem neuen Licht. Eröffnet wird die Schau am 19. April um 18:00 Uhr. Ein buntes Begleitprogramm bietet bis zum Ausstellungsende zahlreiche Möglichkeiten zum Mitmachen.

Interaktives Wandbild von Bianca Tschaikner.

Dieses Bild aus privater Sammlung zeigt eine typische Alltagssituation, Lustenau um 1970.

Industrielle Heimarbeit in Vorarlberg war nicht nur im 18. und 19. Jahrhundert, sondern auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein wesentlicher Teil des Wirtschaftssystems. Die Arbeitsform in den eigenen vier Wänden ging im Laufe der Industrialisierung zahlenmäßig zurück. Sie wurde jedoch durch die zunehmend automatisierte Fabriksarbeit keineswegs ganz abgelöst, sondern existierte parallel dazu weiter. Sie wurde vorwiegend von Frauen ausgeübt, doch als berufstätig wurden sie nicht immer wahrgenommen. Die Ausstellung leuchtet das ab 1950 in Vorarlberg sehr gut funktionierende Gesamtsystem Heimarbeit aus. Der industrielle Hintergrund und der Arbeitsalltag der Heimarbeiterinnen werden genauso berücksichtigt, wie die Veränderungen von Rollenvorstellungen und Familienstrukturen. Am Thema Heimarbeit wird sichtbar, wie nachhaltig die Industrialisierung in den letzten 200 Jahren alle Lebensbereiche prägte. Die Auffassung von Arbeit und Freizeit, die Entwicklung von Sozialgesetzgebung, Rollenbildern sowie des Familienlebens beeinflussten diesen Prozess. In der Ausstellung werden Fragen nach den Vor- und Nachteilen der Produktionsform Heimarbeit genauso gestellt, wie auch die Sicht der Medien auf die Heimarbeit der 1980er- und 1990er-Jahren.

Instagram-Challenge und vieles mehr
Eine Besonderheit der Ausstellung ist das interaktive Wandbild der Künstlerin Bianca Tschaikner. Damit wird die heimarbeitsintensive Stickereiproduktion für die Besucherinnen und Besucher nachvollziehbar. Für Schulen und Kindergärten gibt es ein Vermittlungsprogramm für die spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Wer lieber im Internet unterwegs ist, kann an der Instagram-Challenge „Was ist Arbeit“ mitmachen. Unter dem Hashtag #heimarbeitchallenge können bis 28. Oktober 2018 Fotos hochgeladen werden. Das gepostete Bild soll zeigen, was der Absender bzw. die Absender unter Arbeit versteht. Teilnehmen können einzelne Personen, eine Institution (mit ihren Arbeitsplätzen) oder Firma, sowie Schulklassen, die am Vermittlungsprogramm teilnehmen. Unter den Mitwirkenden werden im Oktober Preise verlost. Ein wichtiger Teil des Projektes ist auch die digitale Dokumentation und Veröffentlichung der Ergebnisse auf einer Sammelplattform im Internet. Diese besteht bereits, wird aber im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit ausgebaut. Sie ist unter www.heimarbeit-vorarlberg.at und www.heimarbeit-rheintal.ch einsehbar.

Ausstellungseröffnung
Donnerstag, 19. April 2018, 18:00, Großer Sitzungssaal im Rathaus, Eingang Stadtpolizei, Bergmannstraße.
Anschließend Umtrunk und Besichtigung der Ausstellung im Stadtmuseum.

Begleitprogramm April:
Erzählcafes im Rheintal:

Widnau: Donnerstag, 5. April 2018, 15:00 Uhr Restaurant Hecht, Widnau, Büchelstraße 18
Höchst: Mittwoch, 11. April 2018, 19:00 Uhr, Schaudepot Höchst, Konsumstraße 36
Altstätten: 26. April 2018, 15:00 Uhr, Restaurant Bahnhof, Altstätten, Bahnhofstraße 74 

Wiedereröffnung Ausstellung Schwarzenberg: Sonntag, 29. April 2018, 11:30 Uhr Angelika Kauffmann Museum

Alle weiteren Termine und Informationen finden Sie unter stadtmuseum.dornbirn.at.