Wem gehört das Bödele? Sammelaufruf des Stadtmuseums

10.04.2019: Das Bödele ist eines der bedeutendsten Dornbirner Naherholungsgebiete, auch wenn es auf Schwarzenberger Gemeindegebiet liegt. Aber das Bödele ist noch viel mehr – vor allem auch ein Ort der Gegensätze und Vorgänge, an dem sich gesellschaftliche Entwicklungen und historischer Wandel deutlich zeigen.

Ein Beispiel aus der Sammlung: Wanduhr aus dem Besitz von Martin Hämmerle.

Das Stadtmuseum plant für das kommende Jahr eine große Ausstellung zum Bödele. Dabei sollen die Dornbirnerinnen und Dornbirner aber auch Gäste und Besucher des Bödeles miteingebunden werden. „Wir sammeln Erinnerungen und Erinnerungsstücke, die mit dem Bödele zu tun haben. Wir freuen uns, wenn Sie uns – gerne auch leihweise – Dinge wie Sport- und Freizeitbekleidung, ein altes Skilehrer-Dress, Sportgeräte (Ihre ersten Ski, Rodel, Eislaufschuhe ...), Pokale, Medaillen und Urkunden, Vereinswimpel, Ausstattung aus Ferienhäusern und Hütten (Hausrat und Geschirr, Kleinmöbel und Dekoration, Werkzeug ...), Amateurfilme ... zur Verfügung stellen können,“ startet Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann einen Aufruf im Vorfeld der geplanten Ausstellung.

Das Bödele ist ein Alp- und Vorsäßgebiet und zugleich Refugium von Erholungssuchenden – mit zwei Hotels, bewirtschafteten Hütten und vielen Zweitwohnsitzen. Wo die einen wandern oder spazieren, Ski fahren und langlaufen, gehen andere ihrer Arbeit nach. In den politisch unruhigen 1930er-Jahren stand die Skihütte der katholischen Jugendvereine neben jener eines antikatholischen, deutschnationalen Sportvereins. In der „Familienkolonie“ Otto Hämmerles erholten sich Unternehmerfamilien, im Felsenkeller feierte die Unterländer Jugend. Viele Jahre waren zwei Liftkarten nötig, wollte man den Lank und das Hochälpele hinunter wedeln. Das erste Alpenhotel Bödele bot allen erdenklichen Komfort und hatte die Dornbirner Telefonnummer 1, heute wirbt das Gebiet mit Retro-Charme, Familienfreundlichkeit und günstigen Preisen. Mit Gegensätzen wie diesen sind unterschiedliche Interessen verbunden. Sie bestehen mitunter nebeneinander, ihr Aufeinandertreffen lässt immer wieder auch etwas ganz Anderes, Neues entstehen. Das macht das Bödele interessant.

Für die Aufarbeitung der Geschichte rund um das Bödele aber auch zur Darstellung in der geplanten Ausstellung ersucht die Stadt Dornbirn alle „Bödeler“ um Unterstützung. Dr. Petra Zudrell, Direktorin des Stadtmuseums: „Wir interessieren uns auch für die Geschichten zu Ihren Gegenständen. Waren Sie in Kinder- oder Jugendtagen mit einer Punktekarte auf dem Lanklift unterwegs? Gehen Sie aufs Bödele Heidelbeeren pflücken? Findet man Sie auf der Skinfit-Autobahn? Und in den 1980ern: Sind Sie mit dem Auto auf das Bödele geglüht, um im Felsenkeller zu Disco-Musik zu tanzen? Haben Sie eine Hütte oder ein Ferienhaus am Bödele? Oder Marc Girardelli beim Trainieren zugeschaut?“  

Ein Beispiel aus der Sammlung zeigt das Bild
Diese mit Rosen und Glockenblumen verzierte Wanduhr würde man eher in einem gutbürgerlichen Haus vermuten als in einer Vorsäßhütte. Auf der Rückseite des Uhrkastens ist neben dem Stempel des Herstellers die Aufschrift „Martin Hämmerle Bödele“ zu finden. Diese Uhr mag symbolisch dafür stehen, dass die Fabrikanten und ihre Familien ihren Lebensstil zumindest in Teilen aus dem Tal in ihre Bödele-Domizile mitgenommen haben. Nicht zuletzt der Bödele-Tourismuspionier Otto Hämmerle sorgte für städtische Elemente in der Höhe: Er ließ mitten im Vorsäßgebiet ein großes und luxuriöses Hotel erbauen, ausgestattet mit Lesesaal, Café und Tennisplatz. Die Spazierwege wurden links und rechts mit Alleebäumen bepflanzt und die Landwirte auf der Unterlose dazu gebracht, vertraglich zu garantieren, dass sie die schöne Aussicht nicht verbauen, nur zu bestimmten Zeiten düngen und nicht durch Zäune die Bewegungsfreiheit der Gäste einschränken werden.

Bringen Sie Ihre Erinnerungsstücke vorbei und erzählen Sie uns Ihre Geschichte:
Bitte kontaktieren Sie uns so bald wie möglich und bis spätestens Mitte Mai 2019.
Stadtmuseum Dornbirn, Marktplatz 11, 2. Stock
Bitte vereinbaren Sie einen Termin unter +43 5572 306 4911 oder stadtmuseum(at)dornbirn.at