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Meine wildeste Felsenkellerstory
© Gästebuch Alpenhotel Bödele/Berghof Fetz, Familie Moosbrugger, Bearbeitung Stadtmuseum Dornbirn
Meine wildeste Felsenkellerstory
© Gästebuch Alpenhotel Bödele/Berghof Fetz, Familie Moosbrugger, Bearbeitung Stadtmuseum Dornbirn

Ihre wildeste Felsenkellerstory

Ihre wildeste Felsenkellerstory

Um den legendären Felsenkeller beim Berghof Fetz am Bödele ranken sich viele Geschichten. Aus den Ruinen des ersten, 1938 abgebrannten Alpenhotels am Bödele entstand in den 1960er-Jahren ein Tanzlokal, das sich unter Franz Fetz zur Kultbar entwickelte. Der Felsenkeller zog viele Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer aus dem Rheintal an.

Während des Lockdowns hatten viele Zeit, um in alten Erinnerungen und Fotos zu kramen. Aber wir freuen uns auch jetzt noch über Erinnerungen an den „Felsen“. Wir wissen, dass viele von uns ganz persönliche Erinnerungen an den Felsenkeller, vormals Ruinenkeller, und im Volksmund "Ruinierkeller", haben.
Um diese Erinnerungen festzuhalten haben wir im Museum ein knallgelbes Buch aufgelegt und bestücken regelmäßig unsere Website mit tollen Geschichten. Auch dank der Initiative „Outburst of Culture“ konnten wir dieses Projekt weiterverfolgen und die Plattform nutzen.

Wir sammeln im Rahmen der Ausstellung „Wem gehört das Bödele?“ Felsenkeller-Erinnerungen: kurze, lange, wilde, brave, absurde, schöne usw. Geschichten, um sie zu veröffentlichen.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns Ihre Geschichte an stadtmuseum@dornbirn.at mit einer Erlaubnis zur Veröffentlichung schicken.

  • Der Bürgermeister vom Bödele

    Norbert Bertolini kannte damals auf dem Bödele fast jeder. Man nannte ihn im Spaß Bürgermeister vom Bödele. Albert Fetz wollte den Felsenkeller zu einem gehobenen Restaurant erweitern und schaltete das Bild in verschiedenen deutschen Kinos ein.

    Als sein Sohn Franz von der Ausbildungstour aus dem Ausland wieder heimkam, wurde es für jüngere Gäste mit Musik und Tanz erfolgreich umgestellt. Albert schaffte sich eine 6x6 Kamera an und spezialisierte sich auf Naturschönheiten, um das Bödele weiterhin bekannt zu machen.

     

    von Hans Georg Kleist

    Werbefoto aus dem Felsenkeller mit Norbert Bertolini und einem Gast
    © Hans Georg Kleist
  • Der blinde Banjospieler

    Ein einzelner Gitarrenakkord hallt von den Wänden des Felsenkellers. Jemand anderer stimmt sein Banjo darauf ein. Ich bin wie elektrisiert. Dieser Song. So einfach, so unspektakulär, so unpassend in diesem Keller. Und doch so besonders. Die einfache Gitarrenmelodie wiederholt sich langsam, das Echo des Banjo nimmt mich mit. Rocker und Kiffer, Ländler und Wälder, Kerle und Mädels, alle wiegen sich zu den sanften Klängen. Es dauert ewig, doch der Song wird intensiver, er wird schneller, er wird lauter und selbst der Fuß von Ameise wippt mit. Der Höhepunkt naht. Reginas Haare fliegen mir ins Gesicht, mir wird schwindlig, heiß, ich fühl mich atemlos. Als der letzte Ton verklingt, stehe ich vor Wolfi und strahle. Er hat meinen Wunsch mal wieder erfüllt. Heute grinst er ein ganz klein wenig zurück und drückt mir eine Kassette in die Hand. Die Musik des Abends – mit dem Banjo Song. Für mich! Ich schwebe im Himmel.

    Doch der Absturz naht. Nur kurze später Zeit wird der Felsenkeller geschlossen. Da half es auch nix, dass ich zwei Abende vor der Klotür verbrachte und Unterschriften gegen die Schließung sammelte. Als die Blätter aus meinem Block voll waren, kritzelten alle ihre Namen auf die kleinen Bestellblöcke mit dem Egger Bier Logo drauf. Hunderte. Ich wusste nicht, wem ich sie überreichen sollte. Nächstes Wochenende blieben die Türen zu. Meine Welt stand still, die Schule ging weiter. Aufsatzthema: Meine Lebensphilosophie. Mir reichten zwei Sätze, damit war alles gesagt. „Meine Philosophie ist gestorben. Der Felsenkeller ist zu.“

    Jahre später lernte ich meinen Schwager Jürgen kennen. Ehemaliger Felsenstammgast, bekennender Musikfreak und Lustenauer Luftgitarrenmeister. Er wusste natürlich, welchen Song ich meinte. „Duelling Banjo.“ Der YouTube Link folgte sofort. Erstmals sah ich den blinden Banjo Spieler im Filmvideo. Er inspirierte mich zu einer neuen Lebensphilosophie.

    „Annehmen, was ist – und das Beste daraus machen.“ Deshalb nütze ich die Corona Pause und lerne, den Song auf meiner Gitarre zu klimpern, denn die Kassette gibt's nicht mehr und im Felsenkeller läuft heute vielleicht Helene Fischer.

     

    von Daniela Alge

  • Die gestohlene Tür

    Im Frühsommer 1981 besuchten einige Studienkollegen aus Stuttgart und ich den Felsenkeller. Ich wollte meinen guten Freund Heinz Moosbrugger aus Au besuchen, der mittlerweile mit Barbara Fetz verheiratet war und somit auch Felsenkeller Wirt war. Der Felsenkeller war an jenem Samstagabend gut besucht. Die letzten Gäste (außer uns) verließen das Lokal gegen 5:00 Uhr.

    Heinz überraschte uns auf einmal mit einen Riesenpfanne Schinken mit Spiegeleiern. Nach dieser Stärkung gingen auch wir so gegen 7:00 Uhr nach Hause. Heinz ging mit uns vor die Türe, die Sonne schien und Heinz sagte auf einmal: Wer hat meine Haustüre gestohlen? Die Haustüre hatte tatsächlich gefehlt. Die Gäste, die vor uns gingen, hatten sich wohl einen Scherz erlaubt. Wir fanden die Türe nach kurzer Zeit, die ein paar Meter weiter an einem kleinen Hügel lehnte.  

    Die eigentlich filmreife Szene war, als wir in unserem nicht mehr ganz nüchternen Zustand versuchten die schwere Eingangstüre wieder einzuhängen. Schließlich gelang auch das noch und wir fuhren in der Morgensonne dem Bregenzerwald zu.

     

    von Karl Riezler
    (heutiger Besitzer der Bar Vernissage in Egg-Großdorf, damals wohnhaft in Mellau)

  • Die Samariter

    Der Wintereinsatz der Rettungsabteilung Dornbirn am Bödele wurde bereits im Jahr 1946 in der Unterkunft der Meierei Oberlose wieder aufgenommen. Es folgte der Beschluss, eine eigene Bergrettungsstelle am Bödele zu schaffen, um die verletzten Skifahrer besser betreuen zu können. Ein kleines Häuflein von Kameraden begann mit harter Arbeit und einem unentwegten Opfermut im Frühjahr 1949 mit dem Bau der Bergrettungshütte – Rotkreuz Hütte – am unteren Lank. Am 9. Dezember 1950 war das Haus für den Dienstbetrieb fertig.

    Nach der Eröffnung des Lanklifts am 28. Jänner 1951 stieg die Zahl der Wintersportler sprunghaft an und damit auch die Zahl der Unfälle. Die Anforderungen an die Mitglieder der Rettungsstelle wuchs ständig und es konnten die Dienste kaum mehr bewältigt werden, waren doch viele Kameraden aus den Wirren des Krieges nicht mehr nach Hause zurück gekommen. Die Frage des Nachwuchses blieb eine ständige Sorge.

    Die Lösung fand sich in der Gründung der „Helfenden Jugend“. 22 Jungen im Alter von 16 bis 18 Jahren meldeten sich und wurden von erfahrenen Sanitätern in Theorie und Praxis ausgebildet. Sie waren begeistert vom Skisport und daher für den Dienst am Bödele bestens geeignet.

    Von dieser in tiefer Kameradschaft verbundenen Gruppe erzählt nun die folgende Geschichte: Mitte der 60er-Jahre wurde im Winter an jedem Samstag gemeinsam der Aufstieg zum Rettungsheim in Angriff genommen. Der Obmann der Rettungsabteilung – mein Onkel – war stets der erste im Heim und heizte den Warmluftofen und den Küchenherd, sodass wir ein wohlig gewärmtes Heim vorfanden. Gleich ließen wir uns vom Lanklift hochziehen und zogen unsere mehr oder minder gekonnten Spuren in den meist noch unbefahrenen Schnee, wobei sich spektakuläre Stürze nicht vermeiden ließen.

    Am späten Nachmittag, zurück im Heim, holte jeder der alten und jungen Kameraden die mit gebrachten Jausen aus den Rucksäcken, breiteten sie auf den drei großen Tischen in der Stube aus und jeder konnte sich nun an diesem „Buffet“ bedienen. Selbstverständlich hatten die anderen, wie es immer ist, das bessere Essen dabei, an dem man sich gütlich tun konnte. Am Abend klopften die älteren Semester einen Jass, sie spielten auf der Handorgel, der Gitarre, sie sangen die Lieder der Berge, sie erzählten Kriegserlebnisse oder überlegten sich Verbesserungen am Heim. Mein Onkel rührte stets am Abend den Riebel für das Frühstück am Sonntag ein, wobei jeder ein Stück Schmalz beizusteuern hatte.

    Wir jungen – ich war der jüngste unter ihnen – machten uns auf den Weg in den „Ruinenkeller“ am Bödele. Wir hatten eine Verbindung zu diesem Lokal, waren doch viele Steine aus der Ruine des abgebrannten Bödelehotels in den Grundmauern des Rettungsheimes verbaut.

    Es hatte am Nachmittag angefangen zu schneien und der Schneefall wurde zunehmend dichter als wir zum Bödele hinunter aufbrachen.

    Der Keller war zu dieser Zeit ein kleiner Vorläufer der Diskotheken von heute. Man schwang das Tanzbein, an Tanzpartnerinnen war kein Mangel, man hörte die neuesten Schlager. Andere lauschten den geheimnisvollen Erzählungen des „Bürgermeisters“, der stets den Kopf mit einem schwarzen Hut, der mit einer breiten Krempe versehen war, bedeckte und einen dicken Wanderstab in Reichweite hatte. Er stammte aus Bregenz und hatte ein Häuschen auf der Seewarte. Auch der Wirt des Lokals hatte mit uns seine Freude, brachten wir doch immer einen richtigen Schwung in die „Bude“.

    An diesem Abend gesellte sich wieder einmal der Abkömmling einer betuchten Dornbirner Familie zu den Gästen. Er war jünger als wir, fühlte sich aber ob des Reichtums seiner Eltern, den er stets lauthals hervorhob, uns allen überlegen. Dies zeigte er vor allem auch durch einen reichlichen Getränkekonsum, dessen Wirkung ihn zunehmend ausfallend werden ließ. Es stachelte ihn auf, dass wir ihn ignorierten, denn er suchte förmlich „Händel“. An diesem Abend hatte er sich allerdings mit dem Ochsenwirt vom Schwarzenberg den Falschen ausgesucht. Alsbald beklagte er eine blutende Nase und wurde vom Wirt vor die Türe gesetzt. Er hatte noch einen langen Heimweg in die Weißtanne vor sich. Dort hatte seine Familie ein Haus.

    Kurz darauf brachen auch wir auf. Die Melodie von „Junge, komm bald wieder“ von Freddy Quinn in den Ohren, traten wir aus dem Lärm in die Stille der Nacht.

    Frau Holle meinte es gut. Unaufhörlich tanzten die Flocken dicht gedrängt hernieder, der Schnee war leicht und trocken, so wie ein Pulverschnee sein sollte. Wir entzündeten die mitgebrachten Petroleumlampen, schraubten den Docht höher, damit wir mehr Licht bekommen, aber der weiße Vorhang der fallenden Pracht schluckte das Licht.

    Als wir das Lokal verließen, kehrte der Schneepflug, der die Straße bis zum Gasthaus geräumt hatte, wieder um. Er hatte es eilig, hinunter nach Schwarzenberg zu kommen, um dann gleich wieder bergwärts zu fahren, damit er die Straße für den Betrieb am Sonntag freihalten konnte. Wir hörten noch sein Rumpeln in der Ferne, aber der dichte Schneefall dämpfte das Geräusch und alsbald umgab uns wieder eine wunderbare Stille. Wir waren froh, die geräumte Straße benützen zu können, bevor wir auf der Höhe des Hauses Dr. Thurnher auf den beschwerlichen Weg zum Rettungsheim abschwenken mussten.

    Die vom Schneepflug bei seinen Fahrten weggeräumte Schneemenge häufte sich wie Daunendecken meterhoch an beiden Straßenrändern.

    Als wir gerade abzweigen wollten, rief der vorausgehende Kamerad: „He, do schouat a Hand usem Schnee.“ Schnell liefen alle nach vorne, hielten die Laternen in die angezeigte Richtung. Ihn ihrem fahlen Licht sah man eine Hand aus dem Schneehaufen herausragen. Schnell gruben 16 Hände der Hand entlang, wir hielten die Laternen hoch, schon sah man die Zipfelmütze, den Kopf und die Kameraden zogen den Körper auf die Straße. Es wurde, wie wir es gelernt hatten, Puls und Atem geprüft – „er leabat no, ar schnufat“ – war die erlösende Nachricht.

    Der unter dem Schnee begrabene war der aufmüpfige Geselle, der im Keller vor die Türe gesetzt wurde. Der Alkohol, den er zu sich genommen, wird wohl erst in der frischen Luft seine Wirkung entfaltet haben. Vielleicht ist er angesichts des Schneepflugs ausgewichen, gestrauchelt und geriet so unter den Schwall des vom Pflug verdrängten Pulverschnees, dessen Leichtigkeit und das schnelle Auffinden ihm sicher das Leben gerettet hatte.

    Er hustete andauernd und nachdem der Älteste von uns versucht hatte, ihn mittels „Rautekgriff“ auf die Beine zu stellen, musste er sich übergeben. Ein vielfach geübter Druck zwischen Zwerchfell und Magen erleichterte ihn weiter. Unser Anführer entschied, den Verunfallten zum Bödeleverwalter zu bringen. Gleich stapfte einer mit der Laterne in der Hand durch den mittlerweile knietiefen Schnee zum Verwalterhaus und weckte den uns vertrauten Mann und seine Frau aus ihrem wohl tiefen Schlaf.

    Wir zwei jungen gingen, in der Spur unseres Freundes, mit den Laternen Licht gebend, voraus und die anderen Kameraden trugen nun das Bürschchen zum Verwalterhaus am oberen Bödeleweg. Er wurde in die Stube neben dem geheizten Kachelofen auf das Kanapee gelegt. Nachdem er von seiner kalten Kleidung befreit war, untersuchten ihn die Kameraden nochmals, ob er womöglich Verletzungen erlitten hatte. Nachdem es keine Anzeichen dafür gab, überließen wir ihn in der Obhut des Verwalterpaares, die ihn in warme Decken hüllten und versprachen, auf ihn aufzupassen.

    Wir aber stapften im Gänsemarsch, die Laternen in der Hand, auf dem oberen Bödeleweg durch den leichten, aber sehr tiefen Schnee unserem Heim entgegen. Ich ging als Letzter und für mich sah es mit den immer höher werdenden Schneemützen auf unseren Kapuzen aus, als schlurfe eine Mönchsgemeinschaft, gebeugt in ihren Kutten, dem Stundengebet entgegen.

    Jeder hatte mit sich zu tun, es fiel kein Wort, man wechselte sich immer mit dem Spuren ab. Bei mir stellte sich trotz Müdigkeit ein wohliges Glücksgefühl ein, ein wenig dazu beigetragen zu haben, dass ein so junges Menschenleben gerettet werden konnte.

    Für mich war es auch eine Bestätigung, mit dem Beitritt zur Rettungsabteilung Dornbirn, die für mich richtige Entscheidung getroffen zu haben. Seit nunmehr über 60 Jahren fühle ich mich in der Kameradschaft dieses Vereines aufgehoben.
     

    von Willi Sohm

  • Der Felsinger

    Im November 1975 fuhren mein Freund Hubert Moosbrugger aus Bizau und ich (ich war 19 Jahre alt) unter der Woche nach Lustenau in die Linie Acht. Wie in Mellau, war auch dort nicht allzuviel los. Auf dem Heimweg fuhren wir übers Bödele. Im Felsenkeller brannte noch Licht, als wir gegen 23:00 Uhr eintrafen. Wir wunderten uns, da der Felsenkeller eigentlich zu der Zeit Betriebspause hatte. Ich hatte den "Felsiger" schon vorher besucht, um die extravagante Musik von Franz Fetz zu genießen. Also traten wir ein und trafen eine Meute lustiger Dornbirner/Innen.

    Ein Sohn aus dem Textil-Hämmerle Clan feierte Geburtstag. Wir wurden freundlich aufgenommen, obwohl es eigentlich eine geschlossene Gesellschaft war.

    Damals legte bereits ein DJ aus Dornbirn auf, da Franz Fetz bereits den Hirschen in Schwarzenberg übernommen hatte. Jedenfalls wurde nur Musik der Rolling Stones gespielt. Alles tanzte auf der kleinen Tanzfläche vor dem offenen Kamin. Man leerte sich gegenseitig die Sektflaschen über die Köpfe usw. Im offenen Kamin befand sich ein kleiner Sennkessel zu dekorativen Zwecken. Kurzerhand wurde der Kessel in die Mitte der Tanzfläche gestellt. Mich hat man hineingesetzt, da ich wohl der Kleinste war. Dann hat man den Kessel gedreht, bis ich Sternchen sah. Der Felsenkeller war damals das Maß aller Dinge, auch für ein paar musikbesessene Bregenzerwälder. 

     

    von Karl Riezler
    (heutiger Besitzer der Bar Vernissage in Egg-Großdorf, damals wohnhaft in Mellau)

  • Mit dem Mofa

    Meine Erinnerung an den ersten tollen Abend im Felsenkeller ist vage – sie ist überlagert von den Erinnerungen an den Weg dorthin. Der Felsenkeller war in diesen Jahren, als ich 15 oder 16 Jahre alt war (1981/82) auch in meiner Geburtsstadt Feldkirch ein Sehnsuchtsort, von dem jeder eine Geschichte zu erzählen haben wollte.

    Also machten wir uns auf den Weg zum Felsenkeller. Es gab etliche Sehnsüchtige, aber nur ein Mofa, das zur Verfügung stand und zwei Jugendliche tragen musste. Und so schaffte es den Aufstieg aufs Bödele nicht. Nach den Mühen der Ebene – denn auch die 22 km im Rheintal haben es in sich, wenn man sie zu zweit auf dem Mofa zurück legt – mussten wir gehend und schiebend dem kleinen Esel hangaufwärts weiterhelfen.

    Die wenigen Stunden, die uns im Felsenkeller blieben zwischen verspäteter Ankunft und zwingendem Aufbruch zurück nach Feldkirch, sind mir nur verschwommen in Erinnerung. Es war dunkel, es war warm, es war laut. Die Aufregung über den ersten Besuch im "Sündenpfuhl" war schnell verfolgen und von Müdigkeit gedämpft.

    Dennoch blieb es nicht der einzige Besuch im Felsenkeller. Einige Male wurde dort geshaked. Als Erzählung genügte es, dort gewesen zu sein.

     

    von Juliane Alton

  • Weiche Knie

    Meine jüngere Schwester Christl wollte eines Winters unbedingt in den Felsenkeller. Als „große“ Schwester war es Ehrensache, dass ich sie begleitete. Sie hatte auch jemanden gefunden, mit dem wir mitfahren konnten. Es war der Sohn eines Möbelhausbesitzers, der immer die schnellsten Autos hatte und für den die Bödelestraße eine Rennstrecke war, auf der er ständig seine Rekorde verbesserte.

    Am Beifahrersitz saß ein mittlerweile berühmter Grafiker und Cartoonist. Dann ging es los. Womit ich nicht gerechnet hatte: Heute wollte der Fahrer wohl den Rekord der Rekorde aufstellen. Jede Kurve wurde geschnitten, das Auto schleuderte immer wieder. Meine Schwester und ich lachten im Schock, dann hielten wir uns nur noch fest, und einige Sünden haben wir mit dieser Fahrt wohl abgebüßt.

    Mit weichen Knien kamen wir in neuer Rekordzeit auf dem Bödele an. Wir zwei verschwanden gleich im Felsenkeller und suchten uns für die Fahrt ins Tal dann einen anderen Fahrer.

     

    von Ingrid Benedikt

  • Der Ralley-Saxophonist

    1967 spielten Walter Jochum, René Reiter und Norbert Rümmele an Samstagen im Felsenkeller. Instrumentalstücke von Bert Kaempfert, Glenn Miller oder Herb Alpert’s Tijuana Brass waren damals große Mode. Mit Saxophon oder Klarinette, Elektronenorgel und Schlagzeug spielte das Trio zur Freude der Gäste.

    Fans aus Dornbirn warteten auch immer wieder auf die Mitternachtsshow von Erwin Höttges. Mit seiner bluesigen Stimme trällerte er voller Inbrunst die „Summertime“ von G.Gershwin.

    Der Bandbus des Trio René war ein Commer Diesel, ein damals weich gefederter englischer Bus, mit dem der Saxofonist die Kurven der Bödelestrasse meist ralleymäßig befuhr. So flott, dass seine Mutter immer Rosenkranz betete und zwar so lang, bis sie die Reifen in der letzten Kurve der Bödele Straße, der sogenannten Hladik-Kurve, quietschen hörte. Dann wusste sie, Sohn Walter war nach rasanter Fahrt sicher im Oberdorf angekommen.

    Zuhause waren die drei Musiker aber noch nicht so bald. Nach getaner Arbeit ging‘s noch auf mindestens ein Reiseachtele in den Engel zu den Hellrigl Mädels.

    Das Trio war landauf landab vor allem beim Jazzpublikum bekannt. Die drei Musiker spielten damals auch bei der ersten Big-Band des Landes – dem Tanzorchester Toni Huber.

    Aus Bludenz, wo die Big-Band bei einem Musical mitwirkte, reisten weibliche Fans mit dem Zug nach Dornbirn und dann mit dem Bödelebus in den Felsenkeller.

    Die Mädels blieben meist so lange, dass sie in Dornbirn gerade noch den „Lumpasammler“ – den letzten Zug ins Oberland – erwischten. Doch einmal musste es recht spät geworden sein, denn obwohl sie der Saxophonist mit Tempo Allegro furioso zum Bahnhof brachte, fuhr ihnen der Zug vor der Nase weg. Also entschied der Saxophonist, die Mädchen bei der Mutter eines Bekannten in Dornbirn unterzubringen, denn er musste ja zurück aufs Bödele. Dort warteten die Fans auf „Petite Fleur“, den Bödele Blues.

     

    von Norbert Rümmele

    Das Trio bestehend aus René Reiter (Schlagzeug), Walter Jochum (Saxophon) und Norbert Rümmele (Keyboard).
    Das Trio bestehend aus René Reiter (Schlagzeug), Walter Jochum (Saxophon) und Norbert Rümmele (Keyboard)., © Norbert Rümmele, Bearbeitung: Stadtmuseum Dornbirn
  • Vom Bödele ins Spital und zurück

    Am 15. Oktober 1967 spielte das Trio René wieder einmal im Felsenkeller, als nachts um halb elf das Telefon klingelte. Albert Fetz kam in den Keller, weil der Anruf dem Schlagzeuger der Gruppe galt. René setzte sich ans Schlagzeug, steckte die Sticks auf die Seite und sagte

    „Ich muss schnell weg, meine Frau bekommt das Kind!“

    Wahrscheinlich fuhr er nicht gerade langsam ins Spital. Nach einer Stunde war er aber schon wieder im Felsenkeller, strahlte und teilte den anderen mit: „René heißt er – wie da Papa“. Das Trio war wieder komplett und spielte weiter.

     

    von Norbert Rümmele

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