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Segelflieger OE-Bödele
Segelflieger OE-Bödele, © Günter König/Stadtmuseum Dornbirn
Segelflieger OE-Bödele
Segelflieger OE-Bödele, © Günter König/Stadtmuseum Dornbirn

Hinter der Vitrine

Hinter der Vitrine

Im Frühjahr 2020 haben wir Ihnen hier unsere Lieblingsobjekte der Bödeleausstellung gezeigt. Heute sind wir im nächsten Lockdown angekommen und wollen den Blick hinter die Vitrine fortsetzten. In regelmäßigen Abständen präsentieren wir in unserer Objektdatenbank „Objekte im Fokus“ ein neues kurioses, schönes, einzigartiges Exponat.

  • Die Spinne

    Norbert Bertolinis Hausspinne ist ein Objekt ganz nach meinem Geschmack. Es ist in unterschiedlichen Kontexten gebraucht worden und gleichermaßen kurios wie geheimnisvoll.

    Zuerst begegnete mir die Spinne in Kathrin Dünsers Katalogbeitrag über den Fotografen Bertolini. Sie erwähnt darin ein Interview mit Franz Fetz und Barbara Moosbrugger, in welchem beide von der eisernen Spinne am Seewarte-Haus des Fotografen berichteten. Nachdem Kathrin bereits eine Fotoausstellung zu Bertolini kuratiert hatte, erinnerte sie sich an ein sehr bekanntes Foto, das Bertolini mit seinem Freund, dem Fotografen Werner Schlegel in seinem BMW Wartburg zeigt – und vorne auf der Kühlerhaube sitzt die Spinne!

    Da erwachten meine detektivischen Sinne und ich kontaktierte unseren Leihgeber der Fotoalben der Familie Bertolini, der auch gleichzeitig der heutige Besitzer des Seewarte Grundstücks samt neuem Haus ist. Tatsächlich wusste er mir zu berichten, dass sein Vater die Spinne einer Spinnensammlerin in Dornbirn geschenkt habe und lieferte mir auch gleich den Namen dazu. Die Spinnensammlerin konnte sich nach reiflicher Überlegung zu unserer Freude dazu entschließen, sich für die gesamte Dauer der Ausstellung von ihrer treuen Mitbewohnerin zu trennen. Doch warum entschied sich der Amateurfotograf für eine solche Kühlerfigur und montierte diese dann später an sein Haus? Das macht dieses Objekt so rätselhaft und offen für vielerlei Spekulationen.

    Petra Zudrell, Leiterin des Stadtmuseums

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt: Die Spinne, © Stadtmuseum Dornbirn
  • Riesenfliegenpilze auf dem Bödele, 1927

    Nicht nur selbst gezeichnete Pilze aus dem Hüttenbuch von Otto Hämmerle (Bödelekatalog S.85) gibt es auf dem Bödele, es wachsen dort auch sonderbare Riesenexemplare mit weiß getupftem Hut, wie auf dem Foto von Werner Garternicht aus dem Jahre 1927.

    Ganz entspannt posieren drei Kinder in üblicher Freizeitkleidung wie Lederhose vor den sie um einiges an Größe überragenden künstlichen/künstlerischen Objekten und ich frage mich, welche kreative Person auf diese schöne Idee gekommen ist. Ob sich wohl ein Baumstumpf darunter verbirgt und ob die Stiele aus Stoff gestaltet wurden?

    Bilder von unbeschwerter Sommerlust drängen sich ebenso auf wie Freude am Gestalten und eine spielerische Auseinandersetzung mit der Natur zur Triebfeder dieses Tuns werden. Dienten die Pilze als Kulisse oder bildeten sie Requisiten für ein Theaterstück? Wichtelfestspiele vielleicht…

    Heute würde man von Landart (Kunst in der Natur) sprechen, was bedeutet, durch die Verwendung natürlicher Materialien ein Zusammenspiel von Kunst und Natur entstehen zu lassen.

    Der geografische Raum dient als Grundlage des Kunstwerks, ergänzt mit Dingen, die gerade zur Verfügung stehen wie ausrangierte Leintücher etwa.

    Zeit zum Fantasieren haben wir jetzt ja, manche von uns mehr, als ihnen lieb ist und da der Fliegenpilz als Glückssymbol gilt – ob wegen seiner psychoaktiven Wirkung oder allein, weil er so dekorativ aussieht – wünsche ich allen, dass wir diese Krise gut überstehen!

     

    Gerti Furrer, Kustodin Allgemeine Sammlung/Textilmusterarchiv

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt „Riesenfliegenpilze auf dem Bödele“, © Stadtmuseum Dornbirn
  • Der Bödeleschirm

    Auf dem Bödele, da lebt sich’s herrlich, doch ein Schirm ist unentbehrlich ... Es ist ja wirklich nass dort oben, unter den Füßen hat man, so nicht Schnee liegt, meistens Matsch und von oben kommt es auch nicht selten flüssig.

    Und so ist es kein Wunder, dass wir einen in einer Bödelehütte gesichteten Schirmständer, prall gefüllt mit Schirmen älteren und jüngeren Datums, fast nicht als Leihgabe bekommen hätten. Werden ja oben gebraucht, die Schirme.

    So war es im Übrigen auch mit einem Bocciaspiel – im nächsten Sommer nicht zu entbehren – und die sämtlichen Gäste- und Hüttenbücher, die wir in der Ausstellung zeigen dürfen, fehlen natürlich auch in den Hütten und Ferienhäusern zu denen sie gehören.

    Zurück zum Wasser: Für mich war neu, überraschend und beeindruckend, dass das Bödele mit seinen nassen Wiesen und Mooren zugleich an Wassermangel leidet. Die verdichteten Böden, typisch für eine Gletscherrandzone, auf die das Eis vor vielen Tausend Jahren mit seinem ganzen Gewicht drückte, können kein Wasser speichern. Und so gibt es dort zwar jede Menge Oberflächenwasser, aber keine Trinkwasser-Reservoirs. Sie können das genauer und fachmännisch, dabei verständlich erklärt in Martin Böschs Beitrag zum Buch „Wem gehört das Bödele?“ nachlesen.

    Ich möchte jetzt am liebsten noch über das nachbarschaftliche Wassergedicht erzählen, das sich in einem Hüttenbuch erhalten hat, und über den riesigen Regenschirm, der in den 1930er Jahren die Gäste von Fusseneggers Alpe beim Heraustreten aus dem Haus vor dem ersten Guss bewahrte ...
    Kommen Sie ins Dornbirner Stadtmuseum und sehen Sie selbst!  

     

    Nikola Langreiter, Freie Ausstellungskuratorin

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt: Der Bödeleschirm, © Stadtmuseum Dornbirn
  • Das "Bild vom Bödele"

    Gemalt wurde das kleine Ölbild 1911, es gibt einen Einblick in die Jahre 1880–1904 und zeigt, wie das Bödele ausgesehen hat. Wie aus der Beschriftung auf der Rückseite ersichtlich ist, ist die ehemalige Wirtschaft des Johann Klocker abgebildet.

    Ich mag die Serie der Albrich-Bilder (wir haben im Museum über 140 Stück davon), weil sie einen idyllischen Einblick in die damalige Zeit geben, sie sind wie Postkarten, nur auf Öl gemalt und etwas größer. Das Bödele-Bild gehört zu einer Serie von Bildern gleichen Formats und einem Rahmen aus Birkenholz.

    Josef Albrich war ein Dornbirner Maler- und Lackierermeister, der nebenher auch als Feldmesser tätig war. Er war auch ein historisch interessierter Mann, denn er sammelte Daten und Fakten zur Geschichte der Stadt Dornbirn. Somit kam im Laufe der Zeit eine mehrbändige Chronik zusammen, die heute im Stadtarchiv aufbewahrt wird.

    Josef Albrichs Bilder geben nicht nur Einblicke in das alte Dornbirn und die Umgebung Dornbirns, sondern er hat etwa auch eine Serie von Burgen aus ganz Vorarlberg gemalt. 

     

    Bettina Egger-Jäger, Kunstsammlung der Stadt Dornbirn

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt: Das „Bild vom Bödele“ , © Stadtmuseum Dornbirn
  • Lustige Gesellen

    Da ich selber gerne lache und mir Humor wichtig ist, fällt mein Blick, wenn ich durch die Ausstellung laufe immer wieder in die Vitrine mit den Handpuppen. Diese wurden im Zuge der Objektsuche zur Ausstellung auf dem Dachboden einer Hütte am Bödele gefunden. Einst liebevoll aus Pappmaché geformt, bemalt und mit bunten Stoffen verkleidet, liegen sie heute ganz still und ruhig nebeneinander. Obwohl sie ihre „aktiven“ Tage schon lange hinter sich haben, geben sie doch Zeugnis von lustigen Hütten- und Familiennachmittagen, an denen das junge und alte Publikum auf Schemeln oder am Boden sitzend den Worten dieser Puppen aufmerksam lauschte und sich an ihrem Spiel erfreute.

    Übrigens – gleich daneben in der Vitrine liegen alte Brettspiele. Solche gehörten vermutlich wohl zur Grundausstattung jeder Bödelehütte. Und vielleicht ist gerade jetzt die Zeit auch wieder einmal ein Brettspiel auszuprobieren?

     

    Klaudia Summer, Allgemeine Verwaltung

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt: Lustige Gesellen, © Stadtmuseum Dornbirn
  • Der Anzug der Uroma

    Die Motorradkleidung von Berta Zwickle, geborene Bickel (1911–1998), ist eines meiner Lieblingsobjekte aus der aktuellen Ausstellung. Eine der ersten Frauen, wenn nicht sogar die Erste, die an einem Motorradrennen in Österreich teilgenommen hat, ein primär männerdominiertes Feld. Eine Schutzkleidung, die sie ab 1932 in ihre Motorradlaufbahn begleitete. Sie behauptete zwar gerne, dass es sich immer noch um die Originalgröße handelt, jedoch erkennt man beim genaueren Hinsehen, dass sie über die Jahre erweitert wurde. Nun die Eitelkeit des Menschen machte auch keinen Halt vor ihr.

    Mit dieser Kleidung nahm sie unter anderem auch an diversen Bödele-Rennen teil. Mit diesem Bezug gelangte die Kleidung in die Bödele-Ausstellung. Die Liebe zum Motorradfahren wurde schon jung durch ihren Bruder geweckt, so durfte sie mit 16 seine Maschine putzen und etwas schieben. Da ihr aber das Schieben zu langweilig war, setzte sie sich kurzerhand hinauf und machte die Gegend unsicher. Eine Leidenschaft, die sie bis zu ihrem Tod 1998 begleitete und auch an die weiblichen Nachkommen, wie mich (Berta war meine Uroma) weitervererbte.

     

    Eva-Maria Romagna, Sammlungsmanagement

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt: Der Anzug der Uroma
  • „Wia a Bua“

    Die Kinderlederhose vom Bödele erinnert mich an meine Kindheit, in der ich viele Sommer in einem Almgebiet in Salzburg verbrachte. Ich war ungefähr fünf Jahre alt und wünschte mir eine Lederhose, weil ich, wie mein Vater und seine Jagdfreunde passend angezogen sein wollte. Zu meiner großen Freude bekam ich tatsächlich eine graue, kurze Lederhose (mit herzförmigen Taschen). Ich trug sie mit Stolz. Bis zu dem Tag als ich um die Hütte bog und einem Freund meines Vaters in die Arme lief. Er sagte lachend: „Du schaust ja wia a Bua aus.“ Ich war gar nicht auf die Idee dieser Rollenverwechslung gekommen. Leider war damit die Lederhosenzeit vorbei. Ich habe sie nie mehr angezogen.

    Die Lederhose war die Freizeithose für Sommerfrischler. Am Bödele wurde sie vorwiegend von den Kindern getragen. Sie konnte nicht kaputtgehen und passte sich der Figur des Trägers an – wie man an dem Exponat vom Gaiskopf sehr gut sieht. Übrigens gab es vor 100 Jahren am Bödele auch schon kleine Mädchen in Hosen. Herbert Winder, einer der Chronisten des Bödeles erinnerte sich, dass bei ihm als Knirps 1902 die Begegnung mit der sechsjährigen Berta in Lederhose (Tochter des Stadtapothekers Carl Kofler) eine große Irritation auslöste.

     

    Barbara Motter, Vermittlung

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt: „Wia a Bua“, © Stadtmuseum Dornbirn
  • Kein Schirmständer

    Dieser Gegenstand wird gelegentlich als Schirmständer verwendet, öfters ist er allerdings auf Dachböden von Bauernhäusern zu finden. Das Gefäß, das wir ausstellen, stammt von der Alpe Oberlose-Bödele, tatsächlich „ausgegraben“ im hintersten Winkel und von einer dicken Schicht Staub und Spinnweben befreit.

    Und wozu brauchte man solche Gefäße? Otto Hämmerle ließ die neu erbaute Sennerei auf der Oberlose nach damals modernsten Gesichtspunkten einrichten: Die Milch wurde in diese hohen ovalen Blechgefäße geschüttet und bis zur Weiterverarbeitung mit fließend kaltem Wasser in einem Wasserbassin gekühlt. Der dadurch gewonnene Rahm hatte eine gleichbleibende Qualität und die daraus erzeugte Butter eine längere Haltbarkeit. Aus der restlichen Milch wurde Magerkäse erzeugt.

    Heute wird auf der Alpe Oberlose sehr guter Alpkäse mit einem hohen Fettgehalt gesennt, die Aufrahmungsgefäße sind schon längst weggeräumt worden. Auch wenn das Alpleben in erster Linie mit Tradition in Verbindung gebracht wird, zeigt sich doch, dass es immer auch Neuerungen gegeben hat. Tradition und Innovation- kein Widerspruch! Mehr dazu können Sie in unserer Ausstellung erfahren.

     

    Annelies Nigsch, Kuratorin Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt: Kein Schirmständer, © Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg
  • Die Seehundfelle

    Seehundfelle dienten als erste Aufstiegshilfen für Skitouren. Unser ausgestelltes Modell von Seehundfellen stammt aus den Ruinen einer alten Pension in Schwarzenberg. Das „Haus 4 Lärchen“, auf halbem Weg zum Bödele gelegen, war bis zum Jahr 2000 eine beliebte Unterkunft für Skitouristen, die Schwarzenberg und das Bödele für sich entdeckten. Die Patronin und Besitzerin des Hauses, Frau Marianne Nicolorich, geb. Hirschbühl, wusste die Pension bestens zu führen. Sie war eine Pionierin des Tourismus in Schwarzenberg und auf dem Bödele, aus einer Vorsäßhütte baute sie in den 1960er Jahren eine stattliche Pension und verstand es den Gästen eine heimelige Atmosphäre zu bieten. Bald schon wurde das Haus 4 Lärchen über Jahre zu einem Geheimtipp für Gäste aus aller Welt.

    Marianne war eine der ersten und wenigen Skifahrerinnen und gewann bei frühen Skirennen in den 1940er Jahren auf dem Bödele, oft als einzige Frau, so einige Medaillen. Die umtriebige Unternehmerin unternahm mit solchen Seehundfellen an ihren Holzskiern Skitouren mit ihren Gästen und förderte den Skitourismus in Schwarzenberg maßgeblich. Ab 1965 hatte sie sogar einen hauseigenen kleinen Schlepplift neben ihrer Pension, der, nachdem die großen Lifte auf dem Bödele wahrscheinlich interessanter wurden, 1981 wieder eingestellt werden musste.

     

    Marina Stiehle, Leiterin Angelika Kauffmann Museum

    Lieblingsobjekt
    Lieblingsobjekt, © Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg
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