„Wia a Bua“

Die Kinderlederhose vom Bödele erinnert mich an meine Kindheit, in der ich viele Sommer in einem Almgebiet in Salzburg verbrachte. Ich war ungefähr fünf Jahre alt und wünschte mir eine Lederhose, weil ich, wie mein Vater und seine Jagdfreunde passend angezogen sein wollte. Zu meiner großen Freude bekam ich tatsächlich eine graue, kurze Lederhose (mit herzförmigen Taschen). Ich trug sie mit Stolz. Bis zu dem Tag als ich um die Hütte bog und einem Freund meines Vaters in die Arme lief. Er sagte lachend: „Du schaust ja wia a Bua aus.“ Ich war gar nicht auf die Idee dieser Rollenverwechslung gekommen. Leider war damit die Lederhosenzeit vorbei. Ich habe sie nie mehr angezogen.

Die Lederhose war DIE Freizeithose für Sommerfrischler, am Bödele wurde sie vorwiegend von den Kindern getragen. Sie konnte nicht kaputtgehen und passte sich der Figur des Trägers an – wie man an dem Exponat vom Gaiskopf sehr gut sieht. Übrigens gab es vor 100 Jahren am Bödele auch schon kleine Mädchen in Hosen. Herbert Winder, einer der Chronisten des Bödeles erinnerte sich, dass bei ihm als Knirps 1902 die Begegnung mit der sechsjährigen Berta in Lederhose (Tochter des Stadtapothekers Carl Kofler) eine große Irritation auslöste.

Barbara Motter, Vermittlung