„Riesenfliegenpilze auf dem Bödele“ 1927

Nicht nur selbst gezeichnete Pilze aus dem Hüttenbuch von Otto Hämmerle (Bödelekatalog S.85) gibt es auf dem Bödele, es wachsen dort auch sonderbare Riesenexemplare mit weiß getupftem Hut, wie auf dem Foto von Werner Garternicht aus dem Jahre 1927.
Ganz entspannt posieren drei Kinder in üblicher Freizeitkleidung wie Lederhose vor den sie um einiges an Größe überragenden künstlichen/künstlerischen Objekten und ich frage mich, welche kreative Person auf diese schöne Idee gekommen ist. Ob sich wohl ein Baumstumpf darunter verbirgt und ob die Stiele aus Stoff gestaltet wurden?

Bilder von unbeschwerter Sommerlust drängen sich ebenso auf wie Freude am Gestalten und eine spielerische Auseinandersetzung mit der Natur zur Triebfeder dieses Tuns werden. Dienten die Pilze als Kulisse oder bildeten sie Requisiten für ein Theaterstück? Wichtelfestspiele vielleicht…
Heute würde man von Landart (Kunst in der Natur) sprechen, was bedeutet, durch die Verwendung natürlicher Materialien ein Zusammenspiel von Kunst und Natur entstehen zu lassen.
Der geografische Raum dient als Grundlage des Kunstwerks, ergänzt mit Dingen, die gerade zur Verfügung stehen wie ausrangierte Leintücher etwa.

Zeit zum Fantasieren haben wir jetzt ja, manche von uns mehr, als ihnen lieb ist und da der Fliegenpilz als Glückssymbol gilt – ob wegen seiner psychoaktiven Wirkung oder allein, weil er so dekorativ aussieht – wünsche ich allen, dass wir diese Krise gut überstehen!

Gerti Furrer, Kustodin allgemeine Sammlung/Textilmusterarchiv