Die Spinne

Norbert Bertolinis Hausspinne ist ein Objekt ganz nach meinem Geschmack. Es ist in unterschiedlichen Kontexten gebraucht worden und gleichermaßen kurios wie geheimnisvoll.
Zuerst begegnete mir die Spinne in Kathrin Dünsers Katalogbeitrag über den Fotografen Bertolini. Sie erwähnt darin ein Interview mit Franz Fetz und Barbara Moosbrugger, in welchem beide von der eisernen Spinne am Seewarte-Haus des Fotografen berichteten. Nachdem Kathrin bereits eine Fotoausstellung zu Bertolini kuratiert hatte, erinnerte sie sich an ein sehr bekanntes Foto, das Bertolini mit seinem Freund, dem Fotografen Werner Schlegel in seinem BMW Wartburg zeigt – und vorne auf der Kühlerhaube sitzt die Spinne!

Da erwachten meine detektivischen Sinne und ich kontaktierte unseren Leihgeber der Fotoalben der Familie Bertolini, der auch gleichzeitig der heutige Besitzer des Seewarte Grundstücks samt neuem Haus ist. Tatsächlich wusste er mir zu berichten, dass sein Vater die Spinne einer Spinnensammlerin in Dornbirn geschenkt habe und lieferte mir auch gleich den Namen dazu. Die Spinnensammlerin konnte sich nach reiflicher Überlegung zu unserer Freude dazu entschließen, sich für die gesamte Dauer der Ausstellung von ihrer treuen Mitbewohnerin zu trennen. Doch warum entschied sich der Amateurfotograf für eine solche Kühlerfigur und montierte diese dann später an sein Haus? Das macht dieses Objekt so rätselhaft und offen für vielerlei Spekulationen.

Petra Zudrell, Leiterin des Stadtmuseums