Allerheiligen und Allerseelen

Heiligenverehrung ist so alt wie das Christentum. Das Hochfest Allerheiligen, das die Kirche am 1. November feiert, geht immerhin bis ins vierte Jahrhundert zurück, denn in den östlichen Kirchen gab es schon seit Anfang des 4. Jahrhunderts einen „Herrentag aller Heiligen“.

Die meisten orthodoxen Kirchen feiern den Allerheiligentag heute noch wie damals am 1. Sonntag nach Pfingsten. Für die katholische Kirche war im Zusammenhang mit Allerheiligen der 13. Mai des Jahres 610 ein denkwürdiger Tag: Papst Bonifatius IV. weihte feierlich eine Kirche in Rom ein, die schon zu heidnischer Zeit als Tempel für „alle Götter“ gedient hatte, das Pantheon. Dieser Tempel bekam den Titel „Sancta Maria ad martyres“, war also der Hl. Maria und allen Märtyrern geweiht. Der Kirchweihtag dieser neuen christlichen Basilika war wahrscheinlich ein entscheidender Impuls für das Allerheiligenfest in der katholischen Kirche, das seit dem 7. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewann.
Ab dem 8. Jahrhundert beginnt sich – von Frankreich ausgehend – der 1. November als Festtermin durchzusetzen.

Bis heute ist er das Datum des Hochfestes geblieben. Der Tag „Allerseelen“ am 2. Nov. geht auf Abt Odilo von Cluny in Frankreich zurück. Dieser bestimmte im Jahr 998, dass nach dem Allerheiligentag ein Gedächtnistag für alle verstorbenen Gläubigen folgen sollte. Unter dem Einfluss der Mönche von Cluny verbreiteten sich der Allerseelentag im 11. Jahrhundert sehr schnell in der gesamten Kirche. Zu diesem Anlass werden die Gräber von den Angehörigen mit Grün und Blumen geschmückt und Kerzen entzündet. Die leuchtende Kerze ist Symbol des „Ewigen Lichtes“, das den Verstorbenen leuchten soll. Vielerorts wird die mit Allerseelen verbundene Gräbersegnung bereits am Nachmittag von Allerheiligen vorgenommen. Früher wurde in Dornbirn vor Allerheiligen in manchen Häusern der Armenseelenpsalter gebetet. Dabei brannten besonders die Kinder ihre buntfarbigen „Wächsle“ (Wachskerzen) ab.

Mit dem Allerheiligentag endete einst auch das alte Wirtschaftsjahr. Das neue begann mit Martini.