Gautschfeier am Marktplatz

Das Gautschen* – Höhepunkt der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung –wird seit dem 16. Jahrhundert im Druckgewerbe feierlich vollzogen. Auf diese Weise werden die neue „Gesellen“ von all ihren Lehrsünden gereinigt. Erst danach gelten sie als ausgelernt. Zu einem Gautschakt gehören neben dem Gäutschling – auch „Kornut“ genannt – der Gautschmeister, der erste und zweite Packer, sowie der Schwammhalter. Auf den Ruf des Gautschmeisters „Packt an!“ wird der „Täufling“ gefasst und auf einen mit Wasser durchtränkten Schwamm gesetzt.

„PAKKT AN! LASST SEINEN CORPUS POSTERIORUM FALLEN AUF DIESEN NASSEN SCHWAMM / BIS TRIEFEN BEIDE BALLEN.

DER DURSTGEN SEELE GEBT EIN STURTZBAD OBEN DRAUFF /

DAS IST DEM SOHNE GUTENBERGS DIE BESTE TAUFF“

Die erfolgreiche Taufe als „Jünger Gutenbergs“ wird mit einem Gautschbrief bestätigt: „Wir Jünger Gutenbergs thun anmit in unserer Kunst – in teutsch und andern Landen – jedermänniglich kund und zu wissen, daß der Jünger der hochberühmten Buchdruckerkunst ... nach altem Brauch und Herkommen heut mit Zuziehung der ehrbaren Gesellen unserer Officin sich losgesagt von all Hudelei und falschem Brauch und die Wassertauff ad posteriora erhalten hat und damit in sämtliche Rechte und Privilegien eingesetzt ist, wie sie uns weiland von Kaiser Friedrich dem Dritten verliehen worden. Kraft dessen gebieten wir allen unsern Kunstgenossen den benannten Jünger Gutenbergs als wahrhaften Schwarzkünstler wohl anzuerkennen und aufzunehmen. Gott grüß die Kunst!“ *)

Das Wort Gautscher kommt wahrscheinlich aus dem Französischen: coucher, gemeint ist derjenige, der das Papier ablegen sollte. Der Gautscher entfernte nämlich mithilfe eines Filzes das feuchte Papierblatt vom Sieb, legte einen weiteren Filz auf das Papierblatt... so geht es Papier auf Filz, Filz auf Papier, bis ein Stoß von 180 Bogen und 182 Filzen dastand, in der Sprache der Papiermacher Pauscht genannt. ("Kleine Kulturgeschichte des Papiers", igepa-Verlag)

Immer wieder kann man in Dornbirn Spuren gelebten Brauchtums beobachten. So auch am vergangenen Freitag, als eine Gesellin und zwei Gesellen der Vorarlberger Velagsanstalt (VVA) im Brunnen am Marktplatz gegautscht wurden.