Ostern - Heilige Gräber

Ein fast vergessenes religiöses Osterbrauchtum bestand auch in unserer Gemeinde in der Errichtung eines "Heiligen Grabes" in der Karwoche. Nur mehr wenige Mitbürgerinnen und Mitbürger können sich noch an die farbenprächtige Installation in ihrer Kirche erinnern.

Eine Fotografie von Franz Heim zeigt das Heilige Grab in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn aus den 1930er Jahren (Schrift: "Jene gingen aber weg, sicherten das Grab mit Wachen und versiegelten den (Grab) Stein" (Math. 27,66). Das "Heilige Grab" wurde in Dornbirn um 1960 aufgelassen. Dieser katholische Brauch geht auf das frühe Mittelalter zurück.

Als Vorbild diente die Schilderung im Neuen Testament, wo es heißt: "Josef von Arimathäa kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes" (Mk. 15,46). Angeregt von den damals häufiger werdenden Pilgerfahrten nach Jerusalem schuf man vielerorts in einer Seitenkapelle oder Krypta Andachtsstätten zur Mitte des 17. Jhdts. waren Heilige Gräber eine weit verbreitete Einrichtung geworden, denn der Phantasiereichtum des Barock ließ breiten Spielraum in den Gestaltungsmöglichkeiten.

Die prachtvollen Heiligen Gräber schienen aber mit dem Verbot Kaiser Josephs II. von 1782 vom Verschwinden bedroht, jedoch schon sechs Wochen nach dessen Tod wurde das Verbot wieder aufgehoben. In der Folge wurden alte Gräber wieder aufgestellt und neue geschaffen, jedoch kam es durch die bayerische Besetzung von 1804 -1814 erneut zu einem Verbot. Im 19. Jhdt. entstanden Heilige Gräber, die den barocken Formenschatz nachahmten oder im neugotischen oder neuromanischen Stil gehalten waren.

Zum typischen Schmuck der Heiligen Gräber gehörten neben Blumen und Kerzen die mit gefärbtem Wasser gefüllten und von hinten mit Öllampen beleuchteten Glaskugeln, die eine eigenartige, mystische Stimmung verbreiteten. Die Liturgiereform von 1956 und Kostenüberlegungen führten nahezu überall zum Verschwinden der Heiligen Gräber. Erst in letzter Zeit erinnert man sich wieder an den kulturhistorischen Wert und die volkstümliche Aussagekraft dieser bühnenartigen Aufbauten rund um den im Grabe liegenden Christus.