Die vier letzten Dinge, Kriegerdenkmal an der Pfarrkirche St. Martin, Dornbirn, 1923/24

Leben und Wirken

Josef Huber wurde am 16. März 1858 als drittes Kind von insgesamt 12 geboren [1].

Sein Vater Josef Huber, gebürtiger Dornbirner, war Stadtmüller und Viktualienhändler in Feldkirch und verheiratete sich 1855 mit der 18 Jahre jüngeren Franziska Steu (spätere Gsteu), der Tochter eines Lehrers in Tisis [2].

Aus der Familie Josef Huber (sen.) stammen neben Josef noch weitere zwei Künstler: Hermann Eduard Huber war Dekorationsmaler in Thalwil in der Schweiz tätig und Heinrich Otto Huber machte sich als Kopist und Stilllebenmaler einen Namen. Beide waren jedoch Autodidakten.

Huber=Feldkirch, wie er sich als bekannter Künstler zu nennen pflegte, wandte sich unmittelbar nach Abschluss der Oberrealschule der Kunst zu. Eine glückliche Fügung führte ihn nach Innsbruck zum bekannten Malermeister Franz Plattner, bei dem er die Freskomalerei erlernte [3].

Aber schon kurze Zeit später besuchte er die Akademie in München und studierte zuerst unter Gabriel von Hackl [4], dann in der Naturklasse unter Nikolaus Gysis [5] und vollendete hierauf nach 15 Semestern seine Studien in der Komponier- und Malschule von Ludwig von Löfftz [6]. Während seiner Studienzeit arbeitete er zwei Jahre beim rheinischen Kirchenmaler August F. Martin. [7] 1887 verbrachte er einen Studienaufenthalt in Paris [8], wo er in den Ateliers von Tony Robert- Fleury [9] und William Adolphe Bougereau [10] arbeitete.

Von Paris kehrte er zunächst zu einem kurzen Aufenthalt in seine Heimatstadt Feldkirch zurück und ließ sich dann vom Jahre 1889 an in München nieder [11]. Im Herbst 1909 übersiedelte er nach Düsseldorf, wo er, dem Ruf der preußischen Regierung folgend, die neu geschaffene Professur für kirchliche Monumentalkunst übernahm [12]. Mit ihm wurden unter anderem auch die Professoren Wilhelm Döringer [13] aus Düsseldorf und Karl Ederer [14] aus Wien in diese Abteilung berufen.

Hier arbeitete und wirkte Huber bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1923. Immer wieder machte er in seinen Pensionsjahren Kuraufenthalte in Bad Ragaz. Ob er in dieser Zeit auch länger in Feldkirch weilte, ist nicht bekannt, wohl aber ist in seinem Reisepass der Wohnort Hubers mit „Dornbirn“ angeführt, was eventuell mit der Durchführung der Mal- und Mosaikarbeiten an der St. Martins-Kirche in Dornbirn in Verbindung gebracht werden kann. Seinen Lebensabend verbrachte Josef Huber in Neuburg am Inn in Bayern. „In Neuburg am Inn, einem alten Schlosse unweit von Passau, das heute dazu dient, großen Künstlern in alten Tagen eine Ruhestätte zu gewähren, ist am Mittwoch, dem 27. Juli (1932), der große Maler Josef Huber (Feldkirch) verschieden“ ist zwei Tage darauf im Vorarlberger Tagblatt zu lesen [15].

Hubers Grab befindet sich in Dommelstadt, nahe dem Schloss, auf dem er als einziger Künstler ständigen Aufenthalts war und glückliche letzte Jahre verbracht hatte.

Leo Samberger: Josef Huber = Feldkirch, gemalt 1900

Josef Huber = Feldkirch künstlerisches Werk

Josef Huber = Feldkirch war in der Kunstszene seiner Zeit gewiss kein Revolutionär.

Seine Arbeit war eine stille, nicht gesellschaftskritische, deren Thematik großteils auf religiöse Inhalte bezogen war. Dennoch weisen seine Werke ein hohes Maß eigenständiger Schaffenskraft auf, so dass sein Name schon zu Lebzeiten in der deutschen Kunstszene der Jahrhundertwende bedeutungsvoll wurde:

„Wenn einer, der es wissen kann, die sechs ersten Namen von deutschen Monumentalmalern großer Art der Begabung aufrufen würde, da ist Josef Huber dabei.“ [1] Ausstellungen und Goldmedaillen, von denen im Ausstellungskatalog „Kunst in Vorarlberg 1900 – 1950“ des Vorarlberger Landesmuseums [2] die Rede ist, zeigen, dass Huber=Feldkirch ein hohes Maß an Anerkennung zu Teil wurde, die in einer Ausführung vieler öffentlicher Aufträge und in der Berufung als Professor an die Akademie Düsseldorf ihren Ausdruck fand.

Leider wurde viele Werke Hubers durch die Kriege vernichtet und es sind nur noch einige, die Zeugnis geben, dass Huber=Feldkirch vor allem auf dem Gebiete der Glasmalerei und Glasmosaikkunst „Mustergültiges und Bahnbrechendes“[3] geleistet hat. Besonders seine an der Düsseldorfer Akademie eingerichteten Werkstätten für Glasmalerei und Mosaikkunst waren für die Ausbildung von Glas- und Mosaikkünstlern bedeutend.

Glasfenster im Bremer Dom, Ezechiel und Daniel, 1898

Glasfenster im Bremer Dom, Jeremias und Jesaias, 1898

„Glasgemälde Hubers finden sich u. a. im Dom zu Bremen 1898, in der Ritterkirche zu Döhlau, Ostpreußen; in der (von ihm auch erbauten) Gedächtniskapelle der Grafen Otting zu Wiesenfelden (Bayerischer Wald) 1903; in der Universität zu München (Treppenhalle), 1909; im Kunstgewerbe-Haus zu München; in der Kirche zu Monheim, 1910; in der Aula zu Mühlheim an der Ruhr, 1910, und in der Petrikirche ebenda, 1913; Glasmosaiken am Justizgebäude zu Feldkirch, 1904; in der Salvatorkirche zu Gera, 1907; an den Grabdenkmälern in Weilheim (1908 und 1909) und auf dem Luisenstädter Friedhof in Berlin; von ihm selbst ausgeführte Glasmosaiken in der herzöglichen Anhaltischen Begräbniskirche in Dessau, ca. 1910, in der schon genannten Petrikirche zu Mühlheim an der Ruhr, 1913; in der St.-Mechtern-Kirche in Köln, 1916; in der St.-Rochus- und Marienkirche in Düsseldorf, Giebelmosaik am Amt der Vorarlberger Landesregierung, 1923.“[4]

Giebelmosaik, Alte Landesregierung, Bregenz 1923 (Foto: Stadtarchiv Bregenz)

Eine der bedeutendsten noch erhaltenen Arbeiten Hubers ist zweifellos das 23 Meter lange und 6 Meter hohe Monumentalbild an der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn „Die vier letzten Dinge".

„Huber hat sich auch in graphischen Techniken und als Architekt versucht (Entwürfe für die bereits genannte Votivkapelle in Wiesenfelden und für das Landhaus Mangold in Weilheim, 1907) und kunstgewerbliche Gegenstände, Innenausstattungen und Exlibris entworfen.“ [6]

Die Schaffenszeit Josef Hubers umfasst das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts und das erste des 20. Jahrhunderts. Während junge, gegen jede Form der akademischen Ausbildung revoltierende expressionistische Maler am Anfang einer neuen Kunstrichtung standen, hat Huber diesen Bruch für sich nicht akzeptiert und die Traditionen, aus denen er kam, nicht verleugnet. „Scharf umrissen steht die Kunst Hubers im Meere der Kunstströmungen. Sie ist modern im Sinne von neu, im Sinne meisterhafter Verwendung neuzeitlicher technischer Errungenschaften. Mit der Moderne aber hat sie nichts gemein, die sich in Naturausschnitten, in Studien, in wilder Farbengebung unverstandener französischer Primitiven gefällt und genügt. [...] “[7]

Landhaus Mangold, Weilheim, 1907

Wandschirm mit Glasmalerei, 1904

Wie einige in Zeitschriften veröffentlichte Frühwerke zeigen, standen Huber in den Anfängen seiner künstlerischen Laufbahn die Inhalte, Malweisen und Gestaltungsformen der Nazarener sehr nahe. Sein erster Lehrer Franz Plattner war selbst überzeugter Nazarener[8]. Dieser Art des Bildschaffens war Huber in besonderer Weise zugetan. Eine Vielzahl der Bilder Hubers lassen auch seine Vorliebe zur Antike und vor allem zur Religion deutlich werden. Sie zeichnen sich in ihrem Ausmaß oft durch Monumentalität aus und tragen meist heroisch-tragische Züge. „Huber-Feldkirch malt Gedanken. Bei keinem Geringeren müßte man es als Vermessenheit bezeichnen, an gigantische Themen wie „Die Religion", „Himmel“, „Hölle“, „Tod“, „Gericht“, heranzutreten. Er darf es wagen. Seine Phantasie und Ausdrucksfähigkeit vermag diese gewaltigen Vorwürfe in einfachen, gedankentiefen, eigenartigen, unter Wahrung strenger Geschlossenheit wild bewegten Bildern darzustellen.“ [9]

Die Religion, 1906

Grabdenkmal Mangold, Weilheim, 1908

Deckengemälde, Kirche Obermedlingen, Maria Lichtmess, 1897