Hermann Klotz
Denkmal vom Bürgermeister Dr. Johann Georg Waibel

1910 Bronze
Rathausplatz 2

Vor fast genau 110 Jahren wurde am 29. Mai 1910 das Denkmal von Bürgermeister Johann Georg Waibel feierlich mit hunderten von Gästen enthüllt. Das Denkmal ist nicht nur das älteste in Dornbirn, sondern auch das größte und steht auf dem Rathausplatz, neben dem alten Rathaus. Geschaffen hat es der Bildhauer Hermann Klotz, der den Auftrag für die künstlerische Ausführung wohl nicht zuletzt aus dem Grund erhielt, da er mit der Nichte des Bürgermeisters verheiratet war.

Waibel war zuerst als ausgebildeter Augenarzt tätig und wurde 1866 zum Gemeindearzt in Dornbirn gewählt. In seiner Freizeit beschäftigte er sich mit den Problemen der Volkswirtschaft und wurde 1867 in den Gemeindeausschuss gewählt bevor er 1869 zum Bürgermeister ernannt wurde. Waibel war der am längsten amtierende Bürgermeister Dornbirns, er war 39 Jahre im Amt.

Viele Projekte wurden unter seiner Führung in Dornbirn verwirklicht. So setzte er sich etwa für den Ausbau des Spitals- und Schulwesens ein, das Kraftwerk Ebensand wurde erbaut und 1902 die Elektrische Eisenbahn Dornbirn-Lustenau eröffnet. Das wichtigste Ereignis war jedoch die Erhebung Dornbirns zur Stadt im Jahr 1901.

Hermann Klotz hat für das Denkmal des außergewöhnlichen Bürgermeisters ein überlebensgroßes Ganzkörperporträt geschaffen. Der liberale, in fortgeschrittenem Alter dargestellte Bürgermeister ist mit einem schlichten Anzug gekleidet. In seiner rechten Hand hat er einen Spazierstock, seine linke Hand ist hinter den Rücken gelegt und hält seinen Hut. Es scheint, als ob Waibel zu einem Spaziergang aufbrechen würde.Klotz ist es gelungen, ein sehr natürlich wirkendes Denkmal einer für die Geschichte Dornbirns bedeutenden Person zu schaffen.

Weil ein Denkmal an einem öffentlichen Ort steht, muss es auch wohl auch mit der Zeit gehen. So mancher geht momentan schmunzelnd an der Figur vorbei, wenn er bemerkt hat, dass zu Zeiten von Corona auch Dr. Waibel eine Maske trägt. 1981 bei einer Jugenddemo bekam Waibel freilich ein etwas anderes „Attribut“ verpasst unter dem Motto „Mehr Potenz für Dornbirns Kultur“.

Der Bildhauer Hermann Klotz (1850 – 1932) stammt aus einer Holzschnitzerfamilie in Imst. In seiner Heimatstadt hat er die Schnitzerei in den Werkstätten von Renn und Grissemann erlernt, zusätzlich hat er sich im Modellieren in Ton und im Steinhauen ausbilden lassen. Seit 1894 war er in der Kunstgewerbeschule in Wien tätig und gab dort Unterricht im Holzschnitzen. Später wurde er zum Leiter dieses Faches und 1884 zum Professor ernannt. Hermann Klotz hat vor allem Holzskulpturen geschaffen, aber auch einige öffentliche Denkmäler. Daneben sind Arbeiten in Stein und Bronze bekannt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zog er gemeinsam mit seiner Frau Katharina, einer gebürtigen Dornbirnerin, in ihre Heimatstadt und lebte hier bis zu seinem Tod.

Fotos(c)Stadtmuseum Dornbirn