Hermann Lang und Hans Martin
Ausmalung des Kirchenraumes
1890 – 1892
St. Leopold

Das äußere schlichte Erscheinungsbild der von 1860 bis 1866 errichteten Pfarrkirche St. Leopold im Hatlerdorf steht im Gegensatz zur opulenten Ausmalung des tonnengewölbten Kirchenraumes. Diese wurde von 1890 bis 1892 nach einem theologischen Bildprogramm des damaligen Pfarrers Ferdinand Gierer ausgeführt.
Für die Gestaltung der Bilder war der deutsche Kirchenmaler Hermann Lang zuständig, die Dekorationsmalerei übernahm der Württemberger Hans Martin.

Am Triumphbogen und in den einzelnen Jochen des Gewölbes im Kirchenschiff sind Szenen aus dem Leben Jesu Christi von der Verkündigung an Maria, über die Geburt, seine Lehr- und Wundertaten bis hin zur Auferstehung zu sehen. Das Deckengemälde im Chorraum zeigt hingegen die Sendung und Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten. Das Wirken der Kirche auf Erden sowie die Kirche in Vollendung sind an den Seitenwänden dargestellt. Im mittleren Gewölbezwickel der Apsis findet die Darstellung der Dreifaltigkeit ihren Platz.

Die im Laufe von Jahrzehnten von Kerzenruß und Staub stark verschmutzten Bilder erhielten durch die Restaurierung in den Jahren 2000/2002 ihre ursprüngliche Farbigkeit zurück. Da der Kirchenraum im Laufe der Zeit nie wesentliche Eingriffe erfahren hat, stellt die Kirche in ihrer Gesamterscheinung ein einzigartiges Beispiel von unverändert erhaltener Sakralarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar.

Der Künstler Hermann Lang (1856 – 1899) besuchte die Königlich Bayerische Akademie der Bildenden Künste in München. Er war zudem Gründungsmitglied der „Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst“, die bestrebt war der christlichen Kunst mehr Raum zu verschaffen.

Der Dekorationsmaler Hans Martin (1853 – 1919) führte an den Kunstschulen von München, Stuttgart, Nürnberg und Wien seine Kunststudien durch. Zahlreiche Werke in kirchlichen Räumen des Malers sind heute nicht mehr erhalten, da zu Restaurierungszeiten dekorative Elemente oft nur als Ablenkung galten und daher nicht als erhaltenswert erachtet wurden.

 

Fotos: Günter König