Haarscharf. Schmuck aus menschlichem Haar - eine vergessene Kunst

Haar, insbesondere das eines lieben Menschen, stand und steht heute noch hoch im Kurs. Die abgeschnittene Locke (im Medaillon) gilt als ganz besondere Gabe, ist sie doch ein Stück des Gebers selber.

Der Austausch von Haaren als Geste der Freundschaft mag in manchen Kreisen ein beliebtes Spielchen gewesen zu sein, wie der Dichter Jean Paul 1800 einem Freund aus dem Urlaub schreibt: „Viele Haare erbeutete ich (eine ganze Uhrkette von den Haaren dreier Schwestern) und viel gab mein eigener Scheitel her.“

Meistens wurden die Haare jungen Mädchen abgeschnitten, wenn sie ihre Frisur änderten oder „unter die Haube“ kamen. Die Haare wurden dann sorgfältig in Papier eingelegt und aufgehoben. Der Haarschatz war so lange unter Verschluss, bis sich das Fräulein verliebte, verlobte oder verheiratete und ihn dem Auserwählten - in Form einer Uhrkette vielleicht - zum Geschenk machte.

Aber nicht nur Uhrenketten zeigt das Stadtmuseum Dornbirn in seiner Sonderausstellung mit Leihgaben aus dem Museum am Mühltor in Isny, dem Historischen Museum St. Gallen sowie von privaten Leihgebern; kaum eine Schmuckgattung, die es nicht aus Haar in geklöppelter oder geflochtener Form zu sehen gibt. Bilder aus pulverisierten Haaren sowie Andenkenbilder und Trauerschmuck vervollständigen die Schau.

14. April bis 30. September 2011