Besuchermagnet im Felsenkeller „Wem gehört das Bödele?“

24.10.2018: Am 19. Oktober luden das Stadtmuseum Dornbirn und Vorarlberg Tourismus zum Kamingespräch mit dem spannenden Thema „Wem gehört das Bödele?“ in den Felsenkeller am Bödele. Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung und der weit über die Grenzen bekannte Keller platzte aus allen Nähten. Christian Schützinger von Vorarlberg Tourismus begrüßte die Gäste und Dr. Petra Zudrell, Leiterin des Stadtmuseums Dornbirn führte die Gesprächsrunde mit Elisabeth Keiper-Knorr (Geschäftsführerin der Agrargemeinschaft Otto Hämmerles Erben), Hotelier Franz Fetz und Landwirt Anton Flatz. Im Dialog wurden die historischen Ereignisse von den drei Persönlichkeiten und die Auswirkung auf die Vorfahren, die wirtschaftliche und persönliche Situation mit unterschiedlichen Zugängen beleuchtet. Auch der Blick in die Zukunft und die Entwicklung des Gebietes kam nicht zu kurz und die Frage, wem das Bödele nun wirklich gehöre, wurde einstimmig beantwortet: „Es gehört allen und soll auch weiterhin für alle zugänglich sein“. Ein schöner Tenor für das in der Vergangenheit sehr konfliktreiche Thema. Im Jahr 2020 ist ein große Bödele-Ausstellung zusammen mit dem Angelika Kaufmann Museum Schwarzenberg geplant.

v.l. Petra Zudrell (Stadtmuseum) Christian Schützinger (Vorarlberg Tourismus), Elisabeth Keiper Knorr (Agrargemeinschaft Otto Hämmerles Erben), Franz Fetz (Hotelier) und Anton Flatz (Landwirt). Bild: Udo Mittelberger

v.l. Johannes Moosbrugger, Pia Fetz und Heinz Fischer.

Natalie Waibel und Nicholas Zumtobel, Bild: Udo Mittelberger

Zahlreiche Gäste kamen zum Kamingespräch in den Felsenkeller am Bödele. Bild: Udo Mittelberger

Der Tourismus hoch über der Stadt beginnt mit der Auseinandersetzung zweier kontroverser Köpfe: der Dornbirner Fabrikant Otto Hämmerle steht seinem Schwager und Arzt Dr. Leo Herburger gegenüber. Schon 1887 organisiert Leo Herburger Kuraufenthalte für kränkliche Dornbirner Kinder und Handwerker in Johann Klockers Alphütte am Bödele. Doch bald durchkreuzt Otto Hämmerle dieses Engagement: Er will eine Ferienkolonie aufbauen, kauft Schwarzenberger Bauern ihre Vorsäßhütten samt Grundbesitz ab, baut das Alpenhotel Bödele, eine Mustersennerei mit Stallungen, eine Kapelle und lässt im Fohramoos einen künstlichen Moorsee anlegen. Parallel dazu entwickelt er ein Skigebiet mit Sprungschanze und dem weltweit ersten Motoraufzug für Skispringer. Für Leo Herburger bedeutet es das Ende seines Sozialprojekts am Bödele.

Kolonien, Disco und Bergbauern
Elisabeth Keiper-Knorr ist die Geschäftsführerin der Agrargemeinschaft Otto Hämmerles Erben. Otto Hämmerle war ihr Urgroßvater und sie hat die Entwicklung auf der Lose (so wird das Bödele auch genannt) hautnah miterlebt. So gab waren immer wieder große Anstrengungen notwendig, um die Wasserversorgung zu sichern. Daneben gab es schon um 1900 technische Neuerungen wie das Badehäuschen, das mit Sonnenenergie das Wasser wärmte. Hier wurde genau nach Plan gebadet und gewaschen. Auch erinnert sie sich an den legendären Felsenkeller, von dessen Existenz sie erstmals über eine Postkarte ihrer Freundinnen während ihres Schulaufenthaltes in der Schweiz informiert wurde. Musikalisch war der Song „Petite fleur“ ein Klassiker, das bestätigte ebenfalls der ehemalige Felsenkellerbetreiber und Hirschenwirt, Hotelier Franz Fetz. Mit seiner Einstellung „Alles ist recht, bloß nicht nach Hause“ bereiste er in jungen Jahren die ganze Welt und kehrte mit einem Auto und ausgezeichneter Musik zurück an den Schwarzenberg. Sein Vater erwarb zwischenzeitlich das Grundstück des heutigen Berghof Fetz und verwendete das Dach sowie die Einrichtung des ehemaligen Gasthauses der Familie Feurstein für die Errichtung des Felsenkellers, der in der Anfangszeit nach dem Brand des Alpenhotels Bödele Ruinenkeller genannt wurde. Die Namensänderung ergab sich auf Wunsch eines Gastes, der den Begriff „Ruine“ mit der schlimmen Zeit des Krieges verband. Das Herz von Franz Fetz schlägt für Dornbirn und auch den Bregenzerwald. Eine Entscheidung wäre nicht möglich, er beherrscht auch beide Dialekte tadellos. Das Bödele möge noch lange so schön bleiben. So geht es auch dem 89-Jährigen ehemaligen Landwirt, Vizebürgermeister und Landtagsabgeordneten Anton Flatz. Er betonte mehrfach den Mut des Industriellen Otto Hämmerle, in dieses Gebiet investiert zu haben und ist stolz, dass die Gemeinde Schwarzenberg einer Zustimmung zur Eingemeindung mit der Stadt Dornbirn nicht eingewilligt hat. Seine Familie zählte früher mit neun Kühen zu den größeren Bauernschaften an der Lose. Andere verkauften damals im Rahmen der Agrargemeinschaft, bestehend aus elf Schwarzenberger und einem Andelsbucher Bauern ihre Weiden bzw. Hütten und verloren das Recht auf ihren Grund. So war die Regelung. Für den einen war es im Nachhinein eine gute Entscheidung, für den anderen nicht. Anton Flatz ruft auch den ersten Skiaufzug Österreichs 1907 am Bödele in Erinnerung: eine tolle Investition, die international für Aufsehen sorgte. Die Freude von Flatz über die erfolgreiche Entwicklung des Bödeles ist unverkennbar.

Große Bödele-Ausstellung im Jahr 2020
Das Stadtmuseum plant gemeinsam mit dem Angelika Kauffmann Museum eine große Ausstellung rund um das Bödele. Es wurden bereits sehr viele Gespräche mit Menschen geführt, die einen starken Bezug zum Bödele haben: Erinnerungen, Fotoalben, Besichtigungen von Hütten und Häusern sowie Filmmaterial. Derzeit bemühen sich die Kuratorinnen und Kuratoren um dreidimensionale Objekte mit Bödele-Bezug und einer spannenden Geschichte.

Weitere Informationen: www.stadtmuseum.dornbirn.at